Was ist die Dranginkontinenz?

DranginkontinenzDie Dranginkontinenz, auch Urgeinkontinenz genannt, betrifft besonders häufig Frauen ab 50 Jahren. Sie äußert sich durch einen plötzlichen, starken Harndrang, obwohl die Blase noch nicht richtig gefüllt ist. Von Inkontinenz spricht man, wenn es häufiger nicht mehr gelingt, rechtzeitig die Toilette aufzusuchen. In ausgeprägten Fällen kann es mehrmals die Stunde zum Ablassen von Urin kommen. Bei der Dranginkontinenz handelt es sich um eine Hyperaktivität der Blase. Die Muskeln, die sich in der Blasenwand befinden, ziehen sich plötzlich krampfartig zusammen, wodurch es zu dem schwallartigen Harnverlust kommt.

 

Man unterscheidet zwischen der sensorischen und motorischen Dranginkontinenz. Bei der sensorischen Inkontinenz sind die Rezeptoren in der Blase gestört, die dem Gehirn Auskunft über den Füllstand der Blase geben. Sie reagieren überempfindlich auf Reize, sodass Fehlinformationen in das Gehirn weitergeleitet werden. Das Gehirn gibt aufgrund dieser falschen Informationen ein Signal an die Blase weiter, welche sich daraufhin entleeren möchte.

 

Die motorische Dranginkontinenz zeichnet sich durch eine Überreaktion der Blasenmuskulatur aus. Durch die Übererregbarkeit ziehen sich die Blasenmuskeln zusammen, ohne dass dies bewusst gesteuert werden kann.

 

Ursachen für die Dranginkontinenz

Die Dranginkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. Allgemein können Entzündungen verantwortlich sein, wie etwa eine Blasenentzündung, Veränderungen der Strukturen im Blasenbereich (beispielsweise Verengungen) oder auch Nervenschädigungen und Störungen im Gehirn.

 

Ursachen der sensorischen Dranginkontinenz sind Auslöser wie beispielsweise Blasensteine, Blasenentzündungen, in seltenen Fällen Tumore oder eine Strahlentherapie.

 

Die motorische Dranginkontinenz entsteht häufig durch psychische Faktoren wie übermäßige Belastungssituationen, aber auch vorliegende neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Morbus Parkinson, Diabetes, ein Schlaganfall oder Multiple Sklerose können eine Entstehung der Inkontinenz begünstigen.

 

In vielen Fällen sind die Ursachen für die Dranginkontinenz nicht klar, was darauf schließen lässt, dass psychische Faktoren eine große Rolle bei der Entstehung dieser Beschwerden einnehmen.

 

Die Behandlung der Dranginkontinenz

Je nach Ursachen stehen unterschiedliche Therapieformen zur Behandlung der Dranginkontinenz zur Verfügung. Grundsätzlich lässt sich diese Form der Inkontinenz gut behandeln. Dafür wird meist eine Kombination aus Blasentraining und Medikamenten eingesetzt, wobei das Blasentraining der erste und wohl schonendere Schritt ist. Dafür muss sich der Patient an einen strengen Zeitplan halten, in dem festgehalten ist, wann wie viel getrunken und wann die Toilette aufgesucht werden darf. So trinkt der Patient beispielsweise am Anfang etwa alle 2-3 Stunden und muss exakt eine halbe Stunde später die Blase entleeren, unabhängig davon, ob Harndrang besteht oder nicht. Nach und nach werden die Abstände zwischen dem Trinken und der Entleerung der Blase verlängert. Basis des Blasentrainings ist das sogenannte Miktionsprotokoll, das der Patient oft bereits zu diagnostischen Zwecken angefertigt hat – es gibt Aufschluss darüber, wann getrunken wurde, wann Harndrang entstand und wann die Toilette nicht mehr rechtzeitig aufgesucht werden konnte.

 

Bringt das Blasentraining allein keine Linderung, können Medikamente zum Einsatz kommen. Durch die darin enthaltenen Wirkstoffe können sich die Muskeln der Blase wieder entspannen, wodurch wieder mehr Urin gespeichert werden kann. Dabei werden besonders häufig Mittel mit anticholinergen Wirkstoffen verschrieben, wie etwa Oxybutynin, Propiverin, Tolterodin oder Fesoderodin. Grundsätzlich zeigen diese Behandlungen eine gute Wirksamkeit und können nachweislich bei Dranginkontinenz behilflich sein.

 

Da die Behandlung der Inkontinenz immer von den Ursachen für die Entstehung abhängt, können aber auch andere Maßnahmen ergriffen werden. So werden beispielsweise bei Blaseninfektionen häufig antibakterielle Mittel eingesetzt. Welche Behandlungsweise in den individuellen Fällen der Dranginkontinenz wirklich hilfreich ist, muss mit einem spezialisierten Arzt eruiert werden.1, 2

 

Hinweis:
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Glauben Sie, an Dranginkontinenz zu leiden, sollten Sie einen Facharzt aufsuchen und sich von diesem angemessen behandeln lassen.

1 http://www.apotheken-umschau.de/Harninkontinenz

2 Robert Koch Institut - Statistisches Bundesamt: Heft 39 Harninkontinenz. Gesundheitsberichterstattung des Bundes.