So äußert sich die Belastungsinkontinenz

belastungsinkontinenzDie Belastungsinkontinenz wurde früher Stressinkontinenz genannt und ist umgangssprachlich auch als „Blasenschwäche“ bekannt. Sie ist die häufigste Form der Harninkontinenz und macht bis zu 45 Prozent der Harninkontinenz-Erkrankungen aus. Die Belastungsinkontinenz äußert sich durch belastungsbedingten Harnverlust. Wenn der Druck auf die Harnblase beispielsweise durch körperliche Anstrengung, Niesen, Husten oder Treppensteigen ansteigt, kommt es zu unkontrolliertem Wasserlassen in unterschiedlicher Menge – einige Frauen verlieren nur ein paar Tropfen, andere durchaus auch mehr.

 

 

Die Belastungsinkontinenz wird in unterschiedliche Stufen eingeteilt:

Stufe 1: Harnverlust erfolgt nur bei schwereren körperlichen Belastungen wie Hüpfen, Husten und Niesen.

 

Stufe 2: Bereits leichte Belastungen sorgen für einen unwillkürlichen Harnabgang, wie etwa Treppensteigen, Aufstehen oder Hinsetzen.

 

Stufe 3: Es sind für den Urinverlust keine Belastungen mehr nötig, auch im Ruhezustand kann Harn abgehen.

 

Typisch für die Belastungsinkontinenz ist, dass vor dem Harnverlust kein Harndrang verspürt wird – es kann den Beschwerden also nicht immer durch vorheriges Urinieren vorgebeugt werden.

 

Ursachen der Belastungsinkontinenz

Am häufigsten liegt die Ursache für Belastungsinkontinenz bei einer zu schwachen Beckenbodenmuskulatur. Meist ist der Harnröhrenverschluss in irgendeiner Form gestört. Veränderungen des Stütz- und Halteapparats von Blase und Urethra können hierfür der Grund sein, aber auch langfristige schwere körperliche Arbeit, Übergewicht, Östrogenmangel (meist nach den Wechseljahren) sind mögliche Ursachen dieser Form der Inkontinenz. In seltenen Fällen kann die Inkontinenz auch nach gynäkologischen Operationen auftreten.

In der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter der Belastungsinkontinenz. Das liegt an dem zunehmenden Gewicht und der damit verbundenen Dehnung der Beckenbodenmuskulatur. Nach der Geburt verschwinden die Beschwerden jedoch bei fast allen (94 Prozent) der Frauen.

 

Therapie der Belastungsinkontinenz

Für die Belastungsinkontinenz stehen mehrere Therapieformen zur Verfügung. Vor allem bei Belastungsinkontinenz der Stufe 1 und 2 werden in der Regel zunächst konservative Verfahren angewendet, die meist bereits gute Erfolge bringen. Dabei ist die richtige Therapie jedoch abhängig davon, wodurch die Inkontinenz entstanden ist. Mögliche Behandlungsweisen bei Belastungsinkontinenz sind:

 

  • Beckenbodentraining: Unter Anleitung von Physiotherapeuten/ Gynäkologen kann die Patientin lernen, eigenständig den Beckenboden zu trainieren. Regelmäßige Übungen helfen, die Muskulatur wieder aufzubauen, sodass der Verschluss der Harnröhre wieder gewährleistet wird. Die Patientin muss allerdings bis zu sechs Monate trainieren, bis sich der Erfolg einstellt.

  • Sollte Übergewicht die Belastungsinkontinenz hervorrufen, ist es sinnvoll, durch eine Ernährungsumstellung und Sport Gewicht abzubauen.

  • Leidet die Patientin aufgrund der Wechseljahre unter den Beschwerden, empfiehlt sich eine Hormontherpie bzw. Östrogentherapie.Elektrostimulation: Durch elektrische (schmerzfreie) Impulse werden die Nerven angeregt, ihre natürlichen Aufgaben wieder zu erfüllen.

  • Medikamente: Helfen oben genannte Maßnahmen nicht, können bei der Belastungsinkontinenz auch Medikamente eingesetzt werden. Vorrangig wird das Mittel Duloxetin verschrieben, ein Serotonin-Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer.

  • Pessare, Vaginaltampons: Werden in der Regel nur dauerhaft eingesetzt, wenn keine operativen Maßnahmen möglich sind. Diese Hilfsmittel werden in die Scheide eingeführt und nehmen den abgehenden Urin auf.

  • operative Maßnahmen: Eine Belastungsinkontinenz kann auch operativ behandelt werden. Dafür werden normalerweise minimalinvasive Verfahren genutzt. Am häufigsten werden die Kolposuspension oder die TVT-Operation eingesetzt. Bei der Kolposuspension wird die Vorderwand der Scheide am Bandhalteapparat befestigt, indem sie angehoben wird. Bei der TVT-Operation (tension-free vaginal-tape) wird ein kleines Kunststoffbändchen vor die Harnröhre gelegt, damit der Bereich wieder stabil ist.1, 2

 

Hinweis:
Dieser Artikel soll lediglich über die Belastungsinkontinenz informieren, ersetzt hierbei jedoch keinen ärztlichen Rat. Sind Sie also davon betroffen, sollten Sie einen Facharzt aufsuchen und sich von diesem beraten lassen.

 

1 http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_inkontinenz-therapie_385.html#Stressinkontinenz

2 https://www.thieme.de/statics/dokumente/thieme/final/de/dokumente/tw_gynaekologie-u-geburtshilfe/Gebfra-07-13-Belastungsinkontinenz.pdf