Inkontinenz durch eine Harnröhrenverengung

HarnroehrenverengungEine Harnröhrenverengung, auch Harnröhrenstriktur oder Harnröhrenenge genannt, kann sowohl angeboren sein oder aber durch verschiedene Faktoren im Laufe des Lebens entstehen. Dabei ist die Harnröhre in geringem oder ausgeprägten Maße verengt, wodurch der Harnabfluss gestört ist. Die Harnröhrenverengung äußert sich vor allem durch einen abgeschwächten Harnstrahl, das Wasserlassen wird erschwert und es kommt oft zu einem Restharngefühl, weil die Blase nicht vollständig entleert werden kann. Patienten müssen häufig zur Toilette, neigen vermehrt zu Harnwegsinfekten und oft kommt es nach dem Wasserlassen zu Urintröpfeln.

 

Nicht zuletzt kann eine Harnröhrenverengung auch zur Inkontinenz führen, sodass das Urinieren nicht mehr selbstständig gesteuert werden kann. In schweren Fällen kann es bis zu einem kompletten Harnverhalt kommen, sodass die gefüllte Blase nicht mehr entleert werden kann. In der Folge kommt es zu einem Urinstau, der starke Unterbauchschmerzen und einen Rückstau bis zu den Nieren verursacht. Das Risiko liegt hier besonders bei einem drohenden Nierenversagen, sodass ein sofortiger medizinischer Eingriff notwendig ist.

 

Ursachen für die Harnröhrenverengung

Ist die Harnröhrenverengung angeboren, liegt wahrscheinlich eine Entwicklungsstörung oder Fehlbildung der Harnröhre zugrunde. Häufiger kommt es jedoch erst später zu einer Verengung der Harnröhre, die oft durch Verletzungen oder Vernarbung hervorgerufen wird. Bereits minimale Verletzungen der Harnröhre können die Entstehung von Narbengewebe zur Folge haben, das letztlich den Harnabfluss stört. Eine Blasenspiegelung, das Legen eines Katheters oder gynäkologische Eingriffe können demnach langfristig eine Harnröhrenverengung zur Folge haben, ebenso wie Unfälle und Verletzungen, die den Bereich des Beckens betreffen.

 

Auch Infektionen wie die Gonorrhoe können während der Abheilung narbiges Gewebe hinterlassen, das die Harnröhre verengt. In seltenen Fällen können Gewebsveränderungen wie Tumore zu Problemen beim Wasserlassen führen.

 

Diagnose der Harnröhrenverengung

Bei Verdacht auf eine Harnröhrenverengung wird zunächst eine Harnstrahlmessung, auch Uroflowmetrie genannt, durchgeführt. Hierbei wird während des Urinierens mit gefüllter Blase eine Harnstrahl-Kurve erstellt und anschließend mittels einer Ultraschall Untersuchung der noch vorhandene Restharn bestimmt. Je nach Menge des Restharns kann festgestellt werden, ob eine akute Harnröhrenverengung vorliegt. Zur Lokalisation der Verengung kann eine Röntgenaufnahme durchgeführt werden, zudem können auch eine Blasen- und/oder Harnröhrenspiegelung notwendig sein.

 

Behandlung der Harnröhrenverengung

Bei der Therapie der Harnröhrenverengung kommt es darauf an, wodurch die Symptomatik entstanden ist. Möglich sind unter anderem eine Harnröhrenaufdehnung (Harnröhrenbougierung), bei der mittels eines speziellen Harnröhrenkatheters die Harnröhre „gespreizt“ wird, eine Harnröhrenschlitzung (Urethrotomie), bei der die Narbe aufgeschlitzt und gespalten wird, ein Harnröhrenstent als Stütze für die Harnröhre sowie eine Harnröhrenplastik bzw. -rekonstruktion. Die richtige Operationsmethode ist abhängig von Art und Ausprägung der Verengung, vom Alter und Zustand des Patienten sowie eventuelle Vor- und Nebenerkrankungen.

 

Bei einer Harnröhrenverengung ist in der Regel immer ein operativer Eingriff notwendig. Die Erfolgsquote variiert – leider ist es möglich, dass sich aufgrund der Operation erneut Narbengewebe bildet, sodass im Laufe des Lebens mehrere Eingriffe nötig sind.1

 

Hinweis:
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Leiden Sie unter Inkontinenz und vermuten die Ursache in einer Harnröhrenverengung, sollten Sie einen Facharzt aufsuchen und sich beraten lassen.

 


1 http://www.medizinfo.de/urologie/harnroehrenverengung