Ursachen einer Inkontinenz nach der Geburt

inkontinenz nach geburtInkontinenz nach der Geburt kommt relativ häufig vor – 20-30 Prozent der Frauen sind davon betroffen. Schwangerschaft und Entbindung sind große Herausforderungen für das Becken und die umliegende Muskulatur. Die Muskeln werden stark gedehnt, sodass es letztlich nur noch zu einem unvollständigen Blasenverschluss kommen kann. Von der Überbelastung können sowohl die Muskeln, das Bindegewebe als auch die Nerven betroffen sein. Ebenso können erbliche Faktoren, wie etwa eine Veranlagung zur Beckenbodenschwäche eine Rolle spielen. Bei Frauen, die bereits entbunden haben, ist das Risiko für eine Inkontinenz nach der Geburt größer als bei Frauen, die ihr erstes Kind bekommen.

Bei der Inkontinenz nach der Geburt handelt es sich um eine Belastungs- / oder auch Stressinkontinenz. Das bedeutet, dass bei entstehendem Druck wie Niesen, Husten oder körperlicher Belastung Harn abgeht, ohne dass dies gesteuert werden kann. Je nach Verschluss der Blase kann es dabei zum Abgang weniger Tropfen bis hin zu einer größeren Menge Urin kommen. Bei einer stark ausgeprägten Inkontinenz nach der Geburt kann der Harnabgang auch ohne körperliche Anstrengung geschehen.

Eine weitere Form der Inkontinenz nach der Geburt kann beim Sex mit dem Partner auftreten. Manche Frauen leiden nur dann unter unfreiwilligem Harnabgang, was sehr unangenehm sein kann. Besonders häufig tritt dies im Spätwochenbett auf.

 

Inkontinenz nach der Geburt vorbeugen

Es gibt im Grunde nur eine Möglichkeit, um der Inkontinenz nach der Geburt vorzubeugen. Die wichtigste Maßnahme hierbei ist das Beckenbodentraining, das so früh wie möglich begonnen werden sollte. Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten bereits vor der Befruchtung mit dem Training beginnen. Aber auch während der Schwangerschaft sollte ein regelmäßiges Training stattfinden, um die Überlastung der Muskeln, des Bindegewebes und der Nervenbahnen während Schwangerschaft und Geburt möglichst gering zu halten. Bisherige entwickelte Medikamente zur Muskelstärkung sind noch nicht ausreichend klinisch geprüft.

Allgemeine Maßnahmen zur Vorbeugung sind der Verzicht auf Nikotin und das Abbauen von Übergewicht bereits vor der Schwangerschaft.

 

Behandlung von Inkontinenz nach der Geburt

In vielen Fällen ist die Behandlung von Inkontinenz nach der Geburt nicht langfristig nötig, da sich die Muskeln nicht von allein wieder zusammenziehen. Innerhalb der ersten 12 Monate nach der Geburt sollten die meisten Frauen keine Probleme mehr mit Harninkontinenz haben. Um dies zu beschleunigen, ist auch hier wieder Beckenbodentraining das einzige Mittel. Studien haben allerdings gezeigt, dass auch das Training nur eingeschränkte Erfolge zeigt – zwar besserte sich die Inkontinenz zeitweise, trat aber wieder auf, sobald die Muskeln nicht mehr trainiert wurden. Das heißt, dass in solchen Fällen konservative Methoden zur Behandlung der Inkontinenz nach der Geburt angewendet werden müssen.

Übergangsweise können Hilfsmittel wie Einlagen, Inkontinenz-Slips oder Pessare sowie Vaginaltampons benutzt werden.1, 2

 

 

Hinweis:
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Leiden Sie nach der Geburt unter Inkontinenz sollten Sie einen Facharzt aufsuchen und sich von diesem beraten lassen.

1 http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/harninkontinenz/article/850797/zwoelf-jahres-studie-inkontinenz-nach-geburt-bleibt-meist.html

2 Angela Heller: Wochenbett und Rückbildung, Georg Thieme Verlag 2002, S. 115.