Inkontinenz kann durch Medikamente entstehen

Inkontinenz durch MedikamenteEin nicht unerheblicher Teil der Inkontinenz-Formen wird durch Medikamente hervorgerufen. Dies trifft besonders häufig auf Patienten zu, die aufgrund von Vorerkrankungen mehrere verschiedene Medikamente einnehmen müssen. Dabei ist es möglich, dass die Medikamente durch ihre Wirkung eine Inkontinenz hervorrufen, da sie beispielsweise den Blasenschließmuskel schwächen oder harntreibend wirken, was nächtliches Wasserlassen begünstigt. Manche Medikamente sorgen dafür, dass die Kontraktilität, also die Fähigkeit der Muskeln sich beim Urinieren zusammenzuziehen, herabgesetzt wird.

Hierdurch kann es zu einer Restharnbildung oder zu einer Überlaufinkontinenz kommen. Es kann durch Medikamente auch dazu kommen, dass eine überhöhte Erregbarkeit des Blasenwandmuskels entsteht, was eine Dranginkontinenz hervorrufen kann. Wird diese Erregbarkeit durch Medikamente jedoch andernfalls zu stark herabgesetzt, ist eine Überlaufinkontinenz möglich, da die Signale der Blase an das Gehirn nicht mehr ausreichend übermittelt werden und demnach kein oder verspäteter Harndrang entsteht. Eine Erhöhung des Blasenauslasswiderstandes kann ebenfalls eine Überlaufinkontinenz begünstigen, eine Verminderung dieses Widerstandes wiederum kann zu einer Belastungsinkontinenz führen.

 

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Durch welche Medikamente entsteht Inkontinenz?

Medikamente, die generell harntreibend wirken und so häufiges Wasserlassen begünstigen, sind vor allem so genannte Diuretika, die besonders bei Herzschwäche oder bei zu hohem Blutdruck verordnet werden.

 

Eine Dranginkontinenz durch Medikamente kann durch Cholingenererika und Cholinesterase-Hemmer entstehen. Diese werden oftmals bei demenziellen Erkrankungen oder bei neuromuskulären Erkrankungen verschrieben. Betarezeptorenblocker (verwendet bei Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder bei Koronarer Herzkrankheit), Digitaliswirkstoffe (verwendet ebenfalls bei Herzproblemen) oder Prostaglandin E1 und E2 (Medikamente zur Durchblutungsstörung) begünstigen ebenfalls eine Inkontinenz.

 

Die Belastungsinkontinenz kann ebenfalls durch Medikamente ausgelöst werden. Dazu gehören ACE-Hemmer, infolge derer es oftmals zum ACE-Hemmer-Husten kommt, der zu einem ständigen Druck im Bauchraum führt und so letztlich die Beckenboden- und Blasenschließmuskeln schwächen. Benzodiazepine werden bei Epilepsie, Muskelverspannungen, Nervosität, Angst- und Schlafstörungen verwendet und können ebenso eine Belastungsinkontinenz herbeiführen. Manche Muskelrelaxans, die bei Muskelverspannungen verschrieben werden sowie auch Alpha-Sympatholytika gegen Hypertonie und Blasenentleerungsstörungen infolge einer Prostatavergrößerung sind ebenfalls dafür bekannt, eine Inkontinenz zu begünstigen.

 

Eine Überlaufinkontinenz kann ihre Ursache ebenso in der Einnahme bestimmter Medikamente haben. Bei Asthma oder COPD werden oftmals Beta-Sympathomiemetika verschrieben, die einen Einfluss auf die Blasenfunktion haben können. Dazu gehören auch tri- und tetrazyklische Antidepressiva, die bei Depressionen, Angststörungen und bei anderen psychischen Belastungen verwendet werden. Auch können Neuroleptika (verwendet bei Psychosen) sowie auch Phenytoin (verwendet bei Epilepsie) eine Inkontinenz herbeiführen. Medikamente, die außerdem zur Überlaufinkontinenz führen können, sind Anticholingenerika (verwendet gegen COPD, Asthma, bei der Reizblase, Morbus Parkinson oder bei Krämpfen) und Antiemetika (verwendet bei Schwindel, Übelkeit und Erbrechen).

 

Was tun bei Inkontinenz durch Medikamente?

Grundsätzlich ist es möglich, eine Blasenerkrankung durch Arzneimittel zu verhindern oder zumindest zu lindern. Dafür ist eventuell der Wechsel des Präparats oder auch eine Veränderung der Dosierung nötig. Wenn der Patient durch die Medikamente an Inkontinenz leidet, sollte er darüber mit dem behandelnden Arzt sprechen. Dieser kann abwägen, ob eine veränderte Medikamenteneinnahme sinnvoll und vertretbar ist. Der Patient sollte jedoch keinesfalls eigenständig Medikamente absetzen oder die Dosierung anpassen.1

 

 

 

Hinweis:

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Glauben Sie, dass Ihre Inkontinenz durch ein Medikament ausgelöst wurde, sollten Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

 

 


1 https://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gast&p_aid=0&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=11170