Was geschieht vor der eigentlichen Harninkontinenz Therapie?

Harninkontinenz TherapieBevor die richtige Therapie gegen die Harninkontinenz erfolgen kann, muss zunächst die Diagnose eindeutig gestellt sein. Dafür muss natürlich als erstes der Gang zum Arzt überhaupt erfolgen. Dieser fragt nach den Symptomen und lässt sich das genaue Beschwerdebild schildern. Dabei wird er sicherlich Fragen stellen zur Häufigkeit und Art des Wasserlassens. Vor allem ist wichtig, in welchen Situationen es zu dem unfreiwilligen Harnabgang kommt, wie etwa beim Lachen, bei körperlicher Belastung oder durch plötzlichen, unkontrollierbaren Harndrang. Wenn der Patient diese Fragen vor der Therapie gegen Harninkontinenz nicht beantworten kann, empfiehlt der Arzt vielleicht ein so genannten Miktionsprotokoll zu führen. Dabei wird schriftlich dokumentiert, wann und wie viel Urinabgang stattgefunden hat und wie viel vorher getrunken wurde.

Sind die Fakten geklärt, wird eine körperliche Untersuchung stattfinden, bei der der Arzt sich Genitalien und den Enddarm anschaut. Danach folgen wahrscheinlich eine Urinuntersuchung, eine Restharnmessung mit Ultraschall und je nach Symptom weitere Tests (z.B. der „Stresstest“, der „Vorlagen-Wiegetest“), um die richtige Therapie für die Harninkontinenz festzulegen.

 

Welche Untersuchungen werden vor der Harninkontinenz Therapie gemacht?

Wenn entweder der erste Therapieversuch erfolglos bleibt oder aber sich die Ursachen der Harninkontinenz nicht finden lassen, werden vor der nächsten Therapie der Harninkontinenz weitere Untersuchungen angesetzt. Dazu gehört eine Ultraschall-Untersuchung der Harnwege, bei der zum Beispiel Nierensteine oder Tumore erkannt werden können. Daneben kann auch noch eine Urodynamische Untersuchung stattfinden. Dabei wird ein dünner Katheter in Blase und Enddarm geschoben, um Fehlfunktionen auszuschließen oder um die Restharnmenge zu bestimmen. Bei sogenannten Miktions-Zystogramm wird die Blase mit einem Kontrastmittel gefüllt. Beim anschließenden Wasserlassen werden Röntgenaufnahmen gemacht, damit eine Blasensenkung oder Fehlsteuerungen entdeckt werden können. Alternativ kann der Arzt vor der Therapie der Harninkontinenz auch eine Blasenspiegelung anordnen.

 

Welche Therapieformen bei Harninkontinenz gibt es?

Die Therapie der Harninkontinenz richtet sich nach der Diagnose. Da es verschiedene Formen der Harninkontinenz gibt, werden unterschiedliche Maßnahmen eingeleitet – „Die“ Therapie bei Harninkontinenz gibt es also nicht. Zum Glück sind die Heilungschancen bei Harninkontinenz sehr gut, in den meisten Fällen kann die Erkrankung geheilt oder zumindest gelindert werden.

 

Therapie bei Harninkontinenz: Belastungsinkontinenz

  • Beckenbodentraining: Durch regelmäßiges Training kann der Beckenboden so trainiert werden, dass die Muskeln den Urin wieder ordnungsgemäß halten können.

  • Elektrotherapie/ Elektrostimulation: Spezielle Sonden in Form eines Vaginaltampons werden eingeführt und trainieren mithilfe von Strom den Beckenboden.

  • Medikamente: Der Wirkstoff Duloxetin, ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, sorgt für eine bessere Aktivität des Schließmuskels der Harnröhre.

  • Operation: Wird nur in sehr seltenen Fällen nötig. Dabei kann entweder ein künstlicher Schließmuskel (hydraulischer Sphinkter) eingesetzt werden, aber auch Methoden wie die Kolposuspension nach Burch, das TVT (Tension-free Vaginal Tape)-Verfahren, die Submusköse Harnröhrenunterfütterung oder die DynaMesh®-SIS kommen in Frage. Inzwischen gibt es zahlreiche operative Verfahren, die möglich sind.

Therapie bei Harninkontinenz: Dranginkontinenz

  • Kontinenztraining: Eine Kombination aus Miktionstraining, Beckenbodentraining und Toilettentraining

  • Blasentraining: Dabei wird die Blase nach Zeitplan entleert, um das Gefühl von Kontrolle wieder zu erlernen

  • Medikamente: Anticholinergika unterdrücken den Botenstoff Acetylcholin, der für die Entleerung der Blase verantwortlich ist.

  • weitere Verfahren wie Sakrale Neuromodulation, Elektrotherapie, Beckenbodentraining, Operation (selten)

 

Therapie bei Harninkontinenz: Überlaufinkontinenz

  • hormonelle Therapie: Östrogene

  • Operation (selten)

  • Medikamente: Cholinergika zur Aktivierung des Blasenmuskels

  • Elektrotherapie

 

 

Weitere Therapien bei Harninkontinenz

Bei der Extraurethralen Harninkontinenz können die auslösenden Fisteln operativ entfernt werden. Die Reflexinkontinenz kann nicht behandelt werden, da hier die Verbindungen zum Rückenmark unwiderruflich geschädigt sind.

Hilfsmittel als Zusatz bei der Harninkontinenz Therapie

So lange noch keine der Therapien bei Harninkontinenz geholfen hat, können verschiedene Hilfsmittel eingesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel spezielle Vorlagen, Einmalschlüpfer oder ein Kondom-Urinal – ein Beutel, der den Urin auffängt. In einigen Fällen kann auch ein Katheter nötig werden, der dauerhaft getragen wird.1, 2

 

Hinweis:
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Leiden Sie an Inkontinenz und möchten sich deshalb über mögliche Therapieformen informieren, sollten Sie einen spezialisierten Arzt aufsuchen und sich fachmännisch beraten lassen.

 

1 http://www.apotheken-umschau.de/Harninkontinenz/Harninkontinenz-Therapie-11598_5.html

2 http://www.inkontinenz.at/bi_hilfsmittel.htm#stressink_behandlung

 

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